Skip to main content

Zurück zu den Geburtsstätten in der Stadt Vendeuvre

 

Hier ist die ausführliche Version des Artikels "Feierstimmung in der 'Kathedrale" aus der Schlepper Post 1/20. Alle Fotos: ©Etienne Gentil/Sammlung Gentil.

 

 

Vendeuvre und Allis Chalmers Traktoren in der „Kathedrale“

 

Es ist bestimmt nicht selbstverständlich, dass Traktoren aus den 1950er Jahren in ihre ehemalige Fertigungshalle zurückkehren – zumal, wenn diese schon zu Beginn des 20. Jahrhundert errichtet wurde. Nicht so in der Stadt Vendeuvre, wo anlässlich der Jahreshauptversammlung Mitgliedern der Amicale Vendeuvre Allis Chalmers- und Vendeuvre- Traktoren an ihrer früheren Produktionsstätte präsentieren konnten. Meist sind Fabrikanlagen und Gebäude von Marken, die schon lange nicht mehr am Markt sind, wenn sie nicht denkmalgeschützt sind, längst abgerissen oder umgewandelt.

 

Von der Fa. Protte zu Vendeuvre

 

In Vendeuvre sur Barse wurden zuerst von der Fa. Protte und dann von den Etablissements de Constructions Mecaniques de Vendeuvre (EV) ab Mitte des neunzehnten Jahrhunderts bis zu Beginn der 1930er Jahre zunächst Holzbearbeitungs- maschinen, Dresch- und Dampfmaschinen, Lokomobile, Strohhäcksler sowie Strohpressen etc. hergestellt. Die EV -diese Abkürzung stammt von den Mitarbeitern- sind auch Motorenhersteller; nach dem ersten Weltkrieg werden Viertakt-Stationärmotoren von 2 bis 16 PS entwickelt und erfolgreich vermarktet, die mit Benzin, Benzol und Petroleum betrieben werden können. Ab 1925 werden alle Stationärmotoren im Werk Dieppe (ED : Etablissements de Dieppe) an der Kanalküste gefertigt und ab 1930 werden die ersten Dieselmotoren von den Etablissements de Vendeuvre von 1 bis 4 Zylinder und von 6 bis 70 PS vorgestellt. Diese Motoren können auch auf Fahrgestelle montiert werden und sind somit ideal für Lohnunternehmer, aber auch als Stromaggregate angeboten.

Vom Standmotor zum Traktor ist es dann auch nicht mehr weit, die EV bieten einen Vierzylinder Umrüstmotor für benzingetriebene Traktoren wie den Fordson F oder die McCormick-Deering 10-20 und 15-30 an. Nach dem zweiten Weltkrieg steigt in Frankreich der Bedarf an Traktoren enorm an, der Traktorenpark ist durch den Krieg stark dezimiert und auch noch ziemlich veraltet.

Ab 1952 steigen die Etablissements de Vendeuvre (EV) in die Traktorenproduktion ein, sie werden unter dem Markennamen VENDEUVRE vermarktet. 1961 übernimmt der amerikanische Landmaschinenhersteller Allis Chalmers die Etablissements de Vendeuvre, nun werden in der Stadt Vendeuvre Traktoren von Allis Chalmers gefertigt.

In den 1950er Jahren versuchen die amerikanischen Traktoren- und Landmaschinen- hersteller in Europa Fuß zu fassen, sie haben erkannt wie wichtig und entwicklungsfähig der europäische Markt für sie wäre. Sie stellten auch fest, dass um in Europa erfolgreich zu sein muss man auch dort produzieren, Massey Harris-Ferguson und die International Harvester waren beindruckende Beispiele wie es funktionieren sollte. 

Die erste Erfahrungen machten die US Firmen International Harvester, John Deere, Allis Chalmers, Case etc. gegen Ende der 1940er Jahren als sie Traktoren im Rahmen des Marshall Plans überwiegend nach Frankreich und Großbritannien einführten. Als erste übernahm John Deere 1956 die Heinrich Lanz AG, dann folgte die J.I. Case Co. 1958 mit einer Beteiligung bei der SFV (Societé Francaise de Vierzon). Schließlich wollte die Allis Chalmers aus Milwaukee (Wisconsin) nicht zurück stehen und übernahm 1961 die Etablissements de Vendeuvre (EV).

 

Vendeuvre – Allis Chalmers: eine kurze Episode

 

Nach zwei Jahren ist Schluss, die gesamte Traktorenproduktion endet nach etwa 30.000 Stück und das Werk in Vendeuvre wird 1964 geschlossen. Nun wird das komplette Werksgelände an die Holzbearbeitungsfirma SIMPA verkauft und von da an wurden Holzfenster und andere Holzkonstruktionen gefertigt. Vor drei Jahren beendete die Firma SIMPA ihre Produktion in Vendeuvre, die Gemeinde übernahm das komplette Werksgelände und wandelte es in ein Gewerbegebiet um. Einige Gebäude wurden abgerissen und in andere zogen verschiedene Firmen ein, darunter ein New Holland Händler.

Aber die frühere Montagehalle, in der Maschinen und Traktoren seit Beginn des 20. Jahrhunderts zusammengebaut wurden, „Cathedrale“ genannt und deren Architektur an einer Kathedrale erinnert, blieb erhalten; denn sie steht unter Denkmalschutz. Sie war in einem denkbar schlechten Zustand, musste komplett restauriert werden, keine einfache Geschichte. Es fand sich jedoch mit dem Unternehmer Fabrice Devaud ein Käufer, der auch mit Unterstützung des Bürgermeisters und der Gemeinde bereit war, das Gebäude zu sanieren und später darin spezielle Container für Atomabfälle zu produzieren und zu warten. Ein Großteil der Sanierungsarbeiten ist bereits abgeschlossen – es ist also möglich in historischen und denkmalgeschützten Gebäuden eine moderne Industrieproduktion zu realisieren.

 

2019: Jahreshauptversammlung der Amicale Vendeuvre in Vendeuvre

 

In Frankreich gibt es inzwischen bereits sieben Markenclubs (Amicale Vendeuvre, Club Ferguson, Amicale SFV, Labourier, Club Lanz, Amicale Massey-Ferguson und Same  Freunde). Sie sind sehr aktiv und versorgen weitgehend ihre Mitglieder mit Ersatzteilen.  

Die Amicale Vendeuvre zählt im Jahr 2018 169 Mitglieder, es sind 13,5% mehr als im Jahr 2017. Der aktuelle Bestand an Vendeuvre Traktoren im Besitz der Mitglieder ist auf die bemerkenswerte Zahl von 750 Stück angestiegen, Stationärmotoren nicht mitgezählt.

Dieses Jahr entschied die Amicale Vendeuvre, ihre alljährliche Mitgliederversammlung in der Stadt Vendeuvre zu veranstalten und es hatte einen bestimmten Grund. Man wollte in erster Linie den Mitgliedern aus allen Regionen Frankreich zeigen, dass die „Cathédrale“ wieder in einem ansehnlichen Zustand ist. Es ist auch Tradition, dass bei der JHV der Amicale Vendeuvre, egal in welcher Region von Frankreich die JHV stattfindet - Traktoren sowie Maschinen der Marke sind immer von der Partie. Diesmal und logischerweise wurden Vendeuvre- und Allis Chalmers Traktoren sowie Maschinen eben in der Kathedrale und genau in der Reihenfolge ihrer Produktion ausgestellt. Die Sammler der Region hatten nicht weniger als sechzig Traktoren aus den Serien Premier, Super, 500, V, BLV und schließlich Allis Chalmers aufgereiht, auch Stationärmotoren sowie eine Dreschmaschine mit Strohbinder waren dabei.

 

Rundgang durch die „Cathédrale“

 

Zurück in der „Cathedrale“ geben die sechzig sauber aufgereihten Vendeuvre und Allis Chalmers Traktoren in verschiedenen Versionen einen Überblick über die zwölfjährige Traktorenproduktion der EV.  Am Eingang wurde eine Lokomobile der „Etablissements de Vendeuvre“ angeheizt und in Betrieb genommen. Ab und an wird kräftig gepfiffen - eine Erinnerung an frühere Zeiten, denn dies war beim Einsatz ein Kommunikationsmittel.

  

Serie Premier

 

Links sind zunächst die ersten Traktoren der Serie Premier (Erste) mit dem kantigen typischen Kühlergrill ausgestellt. Mit den Typen BB (Einzylinder 17 PS), DD (Zweizylinder 35 PS) und GG (Dreizylinder 55 PS) steigt Vendeuvre 1952 in das Traktorengeschäft ein. Alle Motoren sind zunächst wassergekühlt und nach dem Baukastensystem gebaut, daher einheitliche Zylinderabmessungen (Bohrung 110mm x Hub 130mm). Diese drei Traktoren sind mit ZF Getrieben ausgestattet: A9 fünf Gang für den BB, A15 fünf Gang für den DD und A23 sechs Gang für den GG. Eine Hydraulik wird zu diesem Zeitpunkt noch nicht angeboten, denn auf den Höfen gibt es noch reichlich gezogene Geräte und Maschinen. Aber schon einige französische Gerätehersteller bieten für kleinere Traktoren Pflüge oder andere Geräte mit Handaushebung an.

 

Ab 1954 wird die Serie Premier mit den Typen MD 44  und MD 46 erweitert, bei beiden Typen ist die Motorleistung von 30 PS gleich, nur das Kühlsystem ist unterschiedlich: wassergekühlt beim MD44 (Z2P55) und luftgekühlt beim MD46 (Z2P56). Sie werden wahlweise mit dem ZF Getriebe A17 oder der Antriebseinheit von Chenard & Walker (Lizenz Renk) ausgestattet.

 

Serie Super

 

1954 mit der Einführung der Serie Super wird das Traktorenverkaufsprogramm mit neuen Typen sowohl nach unten als auch nach oben erweitert, bei allen Motoren wird die Zylinderbohrung von 110 auf 115 mm erhöht, der Hub bleibt bei 130mm. Gleichzeitig werden die Motoren auch mit Luftkühlung angeboten, der Kunde kann zwischen Wasser- oder Luftkühlung entscheiden. Neu im Programm ist der Super AS, der luftgekühlte Einzylinder Motor (Z1P46) leistet 17 PS und die komplette ZF A5 Antriebeinheit mit Mähwerkantrieb wird in Lizenz bei RLG gefertigt. Nun kann der Super AS wahlweise mit einem hydraulischen Kraftheber ausgestattet werden. Eine Schmalspurausführung für Weinberge wird ebenfalls angeboten. 

Auch beim Super BB kann der Kunde beim Motor (Z1P45/46) zwischen Wasser- oder Luftkühlung wählen. Die Motorleistung ist mit 20 PS bei beiden Ausführungen gleich.  

Die Antriebseinheit ZF A9 (5 + 1) wird ebenfalls in Lizenz bei RLG gefertigt. Ein hydraulischer Kraftheber wird auch ab Werk angeboten. Der Super BB ist ebenfalls in Weinbergausführung im Verkaufsprogramm, die maximale Breite beträgt 1,18m.

Mit einem Zweizylindermotor (Z2P55/56) luft- oder wassergekühlt mit 27 PS Leistung wird der Super BM angeboten. Als Antriebseinheit dient das von RLG in Lizenz gefertigte ZF Getriebe A9 (5 +1). Der hydraulische Kraftheber ist eine Zusatzausstattung, wenn geordert, kann er ab Werk montiert werden, aber jeder Super BM kann damit später nachgerüstet werden.

Mit 3 PS mehr als der Super BM wird der Super MD als Super MD44 mit dem wassergekühlten Motor Z2P55 oder als Super MD 46 mit dem luftgekühlten Motor Z2P56 angeboten. Als Antriebseinheit dient hier wegen des höheren Drehmoments ein ZF Getriebe A15.

In der 40 PS Klasse kann Vendeuvre jeweils zwei Typen mit 40 oder 45 PS anbieten: Super DD 40 und Super DD 42 mit 40 PS wasser- oder luftgekühltem Motor (Z2P 55/56) sowie die Super DD 60 und Super DD 62 mit 45 PS wasser- oder luftgekühltem Motor (Z3P65/66). In den Super DD mit 40 oder 45 PS wird das ZF Getriebe A17 verbaut.

Um in die nächsten PS Klassen einzusteigen, braucht Vendeuvre nur in die Regale zu greifen, denn wasser- und luftgekühlte Dreizylindermotoren (Z4P 65 und Z4P 66), die für den stationären Einsatz bereits in Produktion sind, stehen zur Verfügung. Es braucht nur noch die passende ZF Antriebseinheit A 23 und fertig ist der Vendeuvre Super GG mit 60 PS Motorleistung. Der nächste Schritt in der 70 PS-Klasse ist genauso einfach, die Super GG 70/72 erhalten wahlweise den wassergekühlten Vierzylinder Z4P 75 oder den luftgekühlten Vierzylinder Z4P 76, beide leisten 70 PS. Die ZF Antriebseinheit A 23 ist ebenfalls an Bord.

Das Ende der Fahnenstange ist aber noch nicht erreicht, beim EV wagt man schon den Sprung in der 90 PS-Klasse, der Motor dafür (ZP6P95) wird bereits gefertigt und ist hauptsächlich als Antrieb für Stromaggregate, wie z.B. als Notstromaggregat bei der Pariser Metro, im Einsatz. Zwei Prototypen Super GG95 mit ZF A23 Transmission sollen auf französischen Feldern getestet werden. Ob diese Prototypen noch existieren, ist nicht überliefert, aber einige Vendeuvre Fans haben sich eine Freude gemacht und einen Stromaggregatmotor Z6P95 an einem ZF A23 Getriebe angekoppelt; das Ergebnis kann sich sehen lassen.

 

Serie 500

 

Das Jahr 1957 markiert die Einführung der Serie 500, die verschiedenen Typen werden nun ausschließlich mit luftgekühlten Motoren ausgestattet, als Antriebseinheiten dienen die ZF/RLG Getriebe der Serie Super. Der markanteste Unterschied zu der Vorgängerserie ist die neue Karosserie mit abgerundeter Motorhaube und Kraftstofftank, der Kühlergrill ist ein rundes Gitter für die Kühlluftansaugung sowie die Aufschrift aus Blech „Air“ = Luft.

Um die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe, die sich von der Tierkraft verabschieden, zu motorisieren, führt die EV den BOB500 mit 14 PS ein. Er erhält den neuen Einzylinder Motor Type 26 in quadratischer Auslegung (Bohrung 100mm x Hub 100mm) und als Antriebseinheit wird das bei RLG in Lizenz gefertigte ZF Getriebe A4 eingebaut. Der BOB500 wird ebenfalls in Schmallspurausführung geliefert.

Bei den anderen Typen: AS500, BB500, und BM500 bleibt alles beim alten, nur die Enddrehzahl der Motoren wird von 1500 U/min bei den Vorgängerserien auf 1800 U/min angehoben, dadurch steigt die Leistung um 4 PS.

Beim MD500 leistet der Motor Z2P56 nun 34 PS und er erhält das ZF Getriebe A10, als Alternative kann je nach Verfügbarkeit die Antriebseinheit PM von Chenard & Walker eingebaut werden.

Das stärkste Modell der Serie 500 ist der DD500, der Z3P66 leistet nun 55 PS und das ZF Getriebe A17 ist an Bord.

 

Serie „V“ wie Vendeuvre

 

1959 wird die neue Serie „V“ mit dem System „Agrodyne“, eine Art Lagenregelung mit  Gewichtverlagerung der Geräte auf der Hinterachse, eingeführt. Der hydraulische Kraftheber gehört nun zur Serienausstattung, aber auf Wunsch des Kunden nicht angebaut. Die Farbgebung ändert sich, der Rumpf wird grün, die Blechteile (Motorhaube, Tank und Kotflügel) orange lackiert.

Außerdem wird die Aufschrift „Air“ auf dem runden Kühlluftgrill durch den „V“ ersetzt.

Zwei neue Typen ergänzen das Verkaufsprogramm: der B2B16 der Einzylindermotor Type 26 leistet 16 PS und der BL V, sein quadratisch ausgelegter Zweizylindermotor (Bohrung 100mm x Hub 100mm) Type 52 leistet 30 PS. Der BL V ist mit dem Getriebe ZF A9 (5 + 1) und mit dem neuen Kraftheber System Agrodyne ausgestattet.

Mit dem ZF Getriebe A-205 (8 + 4) wird der BL V ebenfalls angeboten, trotz längerem Radstand ist er kompakt und zu dieser Zeit ein sehr moderner Traktor in der 30 PS – Klasse; sein direkter Konkurrent in dieser Klasse ist der MF35.

Die Typen AS, MD und DD blieben bis auf die neue zweifarbige Lackierung und die Einführung der unabhängigen Zapfwelle unverändert.

Drei Weinbergtraktoren (B2B16, AS und BL) stehen selbstverständlich im Verkaufsprogramm.

 

Serie BL

 

1961 wird die neue Serie BL am Markt eingeführt. Sie ist zugleich die letzte Serie, die den Markennamen VENDEUVRE trägt, denn durch die Übernahme der Etablissements de Vendeuvre vom amerikanischen Hersteller Allis Chalmers aus Milwaukee nennt sich das neue Unternehmen Etablissements de Vendeuvre – Allis Chalmers.

Mit dieser neuen Serie wird die neue kantige Blechkarosserie eingeführt, ein Trend bei fast allen Traktorenherstellern zu Beginn der 1960er Jahre, der Name VENDEUVRE prangt in Großbuchstaben oben am Kühlergrill, genauso die Aufkleber an beiden Seiten der Motorhaube.

Alle Traktoren der Serie BL: B2B 16, BL 25, BL 30, BL 335 und BL 560 erhalten ein neues Armaturenbrett mit Öldruck- und Temperaturanzeige, Amperemeter, Drehzahlmesser und Tankanzeige sowie neue und ergonomische Sitze.

Der B2B 16 bleibt gegenüber seinem Vorgänger der Serie V technisch unverändert.

Neu ist der BL 25: er erhält den Zweizylindermotor Type 52 mit 25 PS Leistung bei 2000 U/min. Die Antriebseinheit ZF A9 (6 + 1) und der hydraulische Kraftheber sind an Bord.

Neu ist der in der V Serie eingeführte Type BL, er nennt sich nun BL 30, die Motorleistung des Zweizylinders Type 52 ist mit 30 PS unverändert, aber die Nenndrehzahl wird auf 2.200 U/min angehoben. Der BL 30 wird wahlweise mit zwei ZF Antriebseinheiten ausgestattet: ZF A9 (6 + 1) oder das moderne ZF Getriebe A-205 mit Gruppenschaltung (8 + 4) und Portalachsen sowie eine 540/1000 unabhängige Zapfwelle.

Die B2B 16, BL 25 und BL 30 sind ebenfalls in Schmalspurversionen als Weinberg- und Plantagetraktoren im Verkaufsprogramm.   

Neu in der BL Serie ist der BL 335, er ist mit dem Zweizylinder Type 56 und 35 PS Leistung bei 1800 U/min ausgestattet. Als Antriebseinheit wird das ZF A-208 Getriebe (8 + 4) mit 540/1000 unabhängiger Zapfwelle eingebaut. Das hydraulische Kraftheber System „Agrodyne“ ist ebenfalls an Bord. Aber es gibt einige BL 335 ohne Kraftheber, sie werden in der Französische Armee oder mit einem vorn angebauten Rammbock zum Schieben von Eisenbahnwagens verwendet.

Mit einer Motorleistung von 60 PS ist der BL 560 der stärkste der neuen BL Serie, der Dreizylindermotor Type 66 wurde vom DD aus der Vorgängerserie übernommen. Um das üppige Motordrehmoment zu übertragen wird der BL 560 mit dem ZF Getriebe A-216

(8 + 4) ausgestattet, die maximale Geschwindigkeit liegt bei 25 km/h.

Um die Lücke zwischen den BL 335 und BL 560 zu schließen, wird der Allis Chalmers

ED 40 aus dem englischen Allis Chalmers Werk importiert; er ist mit einem Vierzylinder Standard Motor, der 35 PS leistet, ausgestattet. Der ED 40 bleibt auf die Verkaufszahlen bezogen weit hinter den Erwartungen zurück, denn seine Ausstattung – nur fünf Gänge und keine Regelhydraulik - entspricht nicht die Wünschen der französischen Landwirte.

 

Allis Chalmers „Made in France“

 

Ab 1962 verschwindet der Name und das Vendeuvre Logo von den Hauben und Kühlergrills, alle in Vendeuvre gefertigten Traktoren erhalten nun das einheitliche und rundlichere Allis Chalmers Blechkleid. Die Aufschrift Allis Chalmers ziert beide Seiten der Motorhaube sowie das AC Logo oben auf dem Kühlergrill. Technisch sind die neuen Typen

FD 3, FD 4 und FD 5 gegenüber ihren Vorgängern BL 30, BL 335 und BL 560 unverändert.

Neu ist die Möglichkeit, die neuen Allis Chalmers „Made in France“ mit Perkins Motoren zu bekommen: Perkins 4.99 (25 PS) für den FD 3, Perkins P3 (36 PS) für den FD 4 und Perkins P4 (49 PS) für den FD 5.

Mit einem Sechszylinder und 55 PS Leistung wird der D 17 aus den USA importiert, findet jedoch wenig Käufer.

Die neuen Allis Chalmers „Made in France“ schaffen die Wende nicht, die Verkaufszahlen gehen stetig abwärts und letztendlich wird 1965 nach etwa 30.000 Exemplaren die Traktorenproduktion in der Stadt Vendeuvre eingestellt und das Werk geschlossen. Die Firma SIMPA, eine Großschreinerei, übernimmt die Produktionsstätten.

In Dieppe werden weiter Dieselmotoren aber auch Allis Chalmers Baumaschinen produziert, dann ist dort gegen Ende der 1960er Jahre auch Schluss.

 

Vendeuvre-Motoren aus Dieppe   

 

Im Werk Dieppe (ED: Etablissements de Dieppe) wurden mehr als 300.000 Benzin- und Dieselmotoren von 1 bis 6 Zylinder wasser- und luftgekühlt produziert.

Bereits zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts beginnt die Firma Protte (Etablissements de Vendeuvre EV) in Vendeuvre Benzin- und Petroleum-Stationärmotoren von 1 bis 20 PS mit zwei Schwungrädern zu produzieren. Sie werden auf Fahrgestelle montiert und können so auch transportiert werden, wo immer sie benötigt sind.

Ab 1925 werden die Vendeuvre Motoren der Serie EVR (R = rapide) in neu errichteten Werk Dieppe hergestellt, sie verbrennen sowohl Benzin oder Petroleum als auch Gasöl mit Verdampfer. Die Drehzahl steigt auf 1000 U/min und die Leistungen gehen von 2 auf 16 PS.

Erst im Jahr 1930 beginnen die ED (Etablissements de Dieppe) mit der Produktion von Dieselmotoren die mit Schweröl betrieben werden. Es sind Motoren von Ein-, Zwei- und Vierzylinder (Hubraum von 407 cm3 für den Einzylinder Type 4 bis 8.831 cm3 für den Vierzylinder Type 55). Die Leistungen gehen von 4 PS für den Einzylinder bis 60 PS für den Vierzylinder. Speziell die Motoren Type 18 (18/20 PS) sowie Typen 24 (24/28 PS) und 36 (36/40 PS) werden in McCormick-Deering 10-20 oder 15-30 bzw. Fordson Traktoren als Umrüstmotoren eingebaut, die zuvor mit Benzin- Petroleummotoren betrieben wurden.

Die meisten in Dieppe gebaute Dieselmotoren werden als Stationärmotoren für den Antrieb von Maschinen und Stromaggregate sowie Kompressoren eingesetzt.

Nach dem zweiten Weltkrieg als die Produktion in Dieppe wieder anläuft, entstehen neue Motoren Baureihen mit Wasser- und Luftkühlung, sie werden in größeren Stückzahlen gefertigt und dienen als Antrieb hautsächlich im Stationär Einsatz (Stromaggregate, Kompressoren) in Baumaschinen (Poclain und Yumbo Bagger etc.). 1952 als die Traktorenproduktion in Vendeuvre beginnt, werden die gleichen Motoren (Ein- bis Vierzylinder) in Traktoren eingebaut.

 

Ein Vendeuvre BM500 auf dem Hofgut Maxau

Der Autor dieses Beitrags ist mit Vendeuvre Traktoren groß geworden, er konnte 1999 einen Vendeuvre BM 500 Baujahr 1956 ins benachbarten Elsass erwerben und hat ihn mit Hilfe von Studenten 2001 restauriert. Nun ist seitdem dieser Vendeuvre für bestimmten Arbeiten im Einsatz auf dem Hofgut Maxau.

 

Etienne Gentil